Pubertät 2017-10-18T12:55:49+00:00

Antworten

Tageszeitung Dolomiten, Ausgabe 19.06.2016

Liebes Elterntelefon, unsere 11-jährige Tochter ist noch nicht aufgeklärt und lehnt es ab über das Thema zu sprechen. Wie sollen wir vorgehen?

Liebe Eltern, es kommt nicht selten vor, dass Kinder oder Jugendliche sich scheinbar uninteressiert zeigen, wenn es um das Thema eigener Körper und Sexualität geht und diesbezüglich, vor allem den eigenen Eltern gegenüber, keine Fragen stellen. Gerade Ihre Tochter ist in einem Alter, wo dies möglicherweise schambesetzt ist. Es könnte auch sein, dass sie sich noch in einer kindlichen Entwicklungsphase befindet und sich erst etwas später damit auseinander setzen möchteDem steht gegenüber, dass ein Gespräch über die Pubertät stattfinden sollte, bevor diese beginnt. Es stellt sich die Frage, wie offen bestimmte Themen in Ihrer Familie angesprochen werden und wie viel Ihre Tochter dadurch vielleicht auch ganz nebenbei oder schon von klein auf mitbekommen oder erklärt bekommen hat. Ist das Kind noch jünger, kann man sich ganz nach dem Interesse des Kindes richten. Es gibt Phasen, in denen es vielleicht besonders wissbegierig ist als auch Phasen, in denen es gar nichts wissen möchte. Dem Kind sollte keine Aufklärung aufgezwungen werden, es muss aber wissen, dass es ehrliche Antworten auf seine Fragen bekommt. Allgemein empfiehlt sich beim Thema Aufklärung die Strategie der kleinen Schritte. Dabei wird gerade soviel Information wie nötig vermittelt. Nachdem Ihre Tochter aber in einer Entwicklungsphase ist, in der die körperlichen Veränderungen bereits begonnen haben oder sie kurz davor steht, wäre es doch wichtig, dass sie mit gewissen Dingen vertraut wird. Eine Möglichkeit wäre, Ihrer Tochter ein Buch zu besorgen, welches ihr altersentsprechend die Dinge vermittelt, die jetzt besonders wichtig für sie sind. So sind alle körperlichen und auch emotionalen Veränderungen, insbesonders die Menstruation Themen, die jetzt anstehen. Sind erst mal die Basis Fragen geklärt, werden sicherlich die Bereiche Sexualität und Verhütung wichtiger. Wenn Sie ihr das Buch besorgt haben, werden Sie sehen, ob sich daraus vielleicht ein weiteres Gespräch ergibt, in dem Sie die Möglichkeit haben, ihr etwas zu erklären.Es ist aber auch wichtig, Ihre Tochter nicht zu sehr zu drängen. Das Interesse Ihrer Tochter kann sich in diesem Alter sehr rasch ändern. Möglicherweise hat sie auch bereits mit Freundinnen gesprochen oder im Internet recherchiert. Sie merken, es ist nicht leicht eine gute Balance zwischen Einmischung und Respekt vor der Intimsphäre Ihrer Tochter zu finden. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie Offenheit signalisieren, dass Ihre Tochter mit ihren Fragen zu Ihnen kommen kann und dass Sie diese dann auch in Ruhe mit ihr besprechen.

Dr. Katrin Tasser

Tageszeitung Dolomiten, Ausgabe 23.07.2016

Liebes Elterntelefon

Unsere Tochter (15) ist übers Smartphone mit Personen in Kontakt, die sie sehr private Dinge fragen. Wenn wir sie darauf ansprechen, dann sagt sie, das sei „Privacy“, das gehe uns nichts an. Wie sollen wir damit umgehen.

Liebe Eltern,

viele Eltern stellen sich heute diese und ähnliche Fragen. Um ein Verständnis für diese Welt und deren Risiken zu haben, müssen wir als Eltern die Möglichkeiten dieser Technik kennen. Grundsätzlich hat die Situation zwei Seiten. Zum einen brauchen Jugendliche in diesem Alter eine Privatsphäre, innerhalb der sie sich emotional entwickeln, und Gedanken und Verhalten von den Eltern unbeobachtet ausprobieren können. Wir Eltern haben diesen privaten Raum zu respektieren, auch wenn dort Dinge geschehen, die uns Sorgen machen. Allerdings verliert dieser Raum seine Privatheit, wenn die Grenze zur Straftat überschritten oder die Gesundheit nachhaltig gefährdet wird. Hier greift die Öffentlichkeit ein, und zuvor noch die Eltern. Im Fall ihrer Tochter hängt es also davon ab, welche Art von privaten Dingen dort besprochen wird, und wie alt die Dialogpartner sind. Finden dabei Übergriffe und Missbrauch (z.B. Fragen sexueller Art von Volljährigen), üble Nachrede, Drohungen, Verletzung des Rechtes auf das eigene Bild, usw. statt, dann müssen Sie eingreifen. Wissen Sie es nicht so genau oder ist es harmloser, so hängt es davon ab, wie weit Sie Ihrer Tochter zutrauen mit diesem privaten Raum, mit dieser Autonomie umzugehen. Wir können nur situativ abwägen, denn wir Eltern haben die Pflicht sowohl die Kinder zu schützen, als auch ihre Entwicklung zu fördern. Was können Sie also tun? Sie sollten zunächst mit Ihrer Tochter sprechen, und sich ein klares Bild über die Natur dieser Kontakte machen. Dabei sollten Sie sie auch über die Grenzen der Privatsphäre aufklären. Wissen Sie aus Gesprächen und Beobachtungen, dass die Kontakte die Grenzen des Erlaubten überschreiten oder nachhaltig gesundheits- oder zukunftsgefährdend sind, dann sollten Sie auch einen Konflikt nicht scheuen und geeignete Maßnahmen überlegen, mit denen die Gefahren reduziert werden können. Dabei können Grenzen gesetzt werden, aber gleichzeitig sollten sie die Eltern-Kind-Beziehung zu intensivieren.

Dr.Stefan Eikemann

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